Volksentscheid über Bildungsreform in Hamburg
Inzwischen läuft der Countdown zum Volksentscheid in Hamburg. Zwar sitze ich nun in Berlin und nicht in Hamburg, doch da so grundsätzlich über Bildung diskutiert wird, möchte ich etwas dazu schreiben. Was mich zunächst wundert ist, dass der Rechtsanwalt Scheuerl, der eigentlich von Pädagogik wenig weiß und kein Experte ist, so sehr die Debatte um eine gute Bildung anheizt. Auf der anderen Seite haben wir eine Gruppierung, die Frau von Berg vorsteht und die Lehrerin ist, also zumindest vom Stuidum her eine Expertin ist und diesen Beruf wohl auch schon ausgeübt hat.
Herr Scheuerl, der bekannterweise in einem der teuersten Gegenden Hamburgs wohnt plädiert für den frühen Beginn des leistungsorientierten Fachunterrichts, also Gymnasium ab Klasse fünf. Hinsichtlich dessen wie der andere Unterricht aussehen soll weiß ich wenig, kann aber auch an mangelnden Informationen meinerseits liegen. Ich frage mich, was ist leistungsorientierter Unterricht, das Modell Nürnberger Trichter mit einem bürgerlichen Bildungskanon? Was stellt er sich unter Projektunterricht vor? Ist das kein guter Fachunterricht?
Doch ich glaube die Frage hier ist, welche Ziele soll die Schulbldung verfolgen. Geht es darum möglichst viel Fachwissen zu haben? Was ist mit den anderen Schlüsselkompetenzen, wie Orientierung, Sozialkompetenz, Teamarbeit, interkulturelle Kompetenz - die ja bekannterweise immer wichtiger wird und die man bestimmt nicht in den monokulturellen Gymnasien der reichen Vororte Hamburgs lernt. Ist es nicht wichtig möglichst viele Realitäten kennen zu lernen, damit man später in einer Führungsposition - und um die Kinder geht es ihm schließlich und nicht um die anderen - auch ein Team gut führen kann, sind nicht Apskete wie Empathievermögen genauso wichtig wie BWL-Wissen, um ein Unternehmen gut zu leiten? Wenn ich mir überlege, was gesellschaftlich wichtiger wird, dann sind es gerade die weichen Kompetenzen, doch die lernt man nicht durch Frontalunterricht.
Welche Länder schließen laut Pisa eigentlich am Besten ab, dann sind es doch eher die, die auf langes gemeinsames Lernen wert legen und nicht diejenigen, die schnell sozial trennen. In der Bildung ist es wie im Soprt, ich kann nur dann viele gute Spitzensportler/innen erhalten, wenn ich den Breitensport gut fördere.
Ein weiterer Aspekt ist, welche Gesellschaft möchte ich. Da ist der konservative Rechtsanwalt doch sehr konsequent, doch leider nicht sozial gerecht - frühe Separation und Schutz der Privilegien ist hier das Motto. Ist dieses Modell aber zukunftsfähig? Meines Erachtens nicht, denn es grenzt aus und viele bleiben auf der Strecke. Mir persönlich hätte längeres, gemeinsames Lernen sehr gut getan und mein Bildungsweg wäre bestimmt anders verlaufen. Eine Schulreform steht an, es muss wieder mehr Geld in die Bildung gesteckt werden und nicht in Elitenbildung. Die Schulen müssen personell aufgestockt werden und die außerschulische Bildung - die stärker auf projektorientierte Bildung wert legt - muss stärker mit Schulen zusammen arbeiten. Doch hierfür müssen Gelder bereit gestellt werden, denn sonst ist dies nicht möglich. Ich bin auch eine Verfechterin der Ganztagsschulen, aber nicht nach dem Prinzip von morgens Schule und nachmittags Hort, sondern ein gutes Bildungsangebot den ganzen Tag. Dadurch ist es möglich bildungsferne Kinder und Jugendliche eine gute Schulbildung anzubieten und sie nicht abzuhängen. Auch den Ansatz Lernen durch Lehren kann hier sehr gut durchgeführt werden, so können die guten Schüler/innen den schwächeren den Stoff zeigen und sie lernen selbst am Allermeisten, werden sicherer und sozial kompetenter. Was wollen wir mehr?
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